Studium Integrale Journal - Home Studium Integrale Journal 32. Jg. Heft 2 - Oktober 2025
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33. Jahrgang / Heft 1 - Mai 2026
Titelbild: Die Iguazú-Wasserfälle sind das größte Wasserfallsystem der Welt. dennoch gehen konventionelle Geologen davon aus, dass am Ende des Miozäns 100- bis 1000-mal größere Wassermassen das Mittelmeer-becken in kurzer Zeit katastrophistisch fluteten (s. S. 42). (Mayra Villas Boas Francisco Zamulko, CC BY-SA 4.0, Wikimedia)



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Themen

B. Scholl
Missverständnisse über Evolution. Wird die Entstehung der Arten häufig falsch verstanden?
R. Junker
Die großen Trends in der Fossilüberlieferung der Lebewesen. 1. Vorhersagen, fossile Abfolgen und Abgrenzbarkeit größerer Gruppen
N. Buijink
Endogene Retroviren. Evolutionäre Narben oder konzipiert für eine bestimmte Funktion?

Kurzbeiträge

B. Scholl
„Schmetterlingsdoppelgänger“ aus dem Erdmittelalter
P. Borger
Überraschung bei Hammerhaien. Kopfform und genetische Merkmale passen nicht zusammen
B. Schmidtgall
40.000 Jahre alte RNA?
R. Schäffer
Zanclianische Megaflut des Mittelmeeres. Neue Belege für einzigartige Flutkatastrophe
L. Schneider
Wie bestimmt man das Alter von Sternen?
A. Ehrmann
Heliumplanet ohne Sauerstoff und Stickstoff
B. Kilchör
Keilschriftliche Einflüsse auf die Bibel – wann und wie?

Streiflichter

Dramatisch schneller Gletscherrückzug in der Antarktis
Entstehung eines klastischen Sedimentgesteins binnen Jahrzehnten
Eine keilschriftliche Bulle aus Jerusalem – und was sie uns zu sagen hat
Super organisierte Fadenwürmer
Leisten Mäuse Erste Hilfe?
Kollektive Intelligenz bei Ameisen „menschenähnlicher“ als bei Schimpansen
Papageien lernen als einzige bekannte Tiere von Dritten
Dinosaurier mit Hufen?
Der „Wundersaurier“ Mirasaura
Plötzliches Erscheinen der Flugsaurier bestätigt

Leserbriefe

P. Borger & B. Scholl
Corrigendum und Ergänzungen zum Artikel  „Der genetische Unterschied zwischen Mensch und Schimpanse beträgt 15 %“ bezüglich einzigartiger Protein-Gene beim Menschen
 

Editorial

„Errare humanum est“ – „Irren ist menschlich“, lautet ein altes lateinisches Sprichwort. Dies gilt auch für Wissenschaftler. Egal, wie gründlich man forscht und arbeitet, es schleichen sich Fehler oder Missverständnisse verschiedenster Art ein.

Fehler im Wissenschaftsbetrieb entstehen zum Beispiel, wenn Wissenschaftler sich nicht eindeutig ausdrücken oder wenn sie von anderen Kollegen falsch verstanden werden. So haben Simon Wakeling und Kollegen (2025; doi: 10.1002/asi.70000) insgesamt 2648 Wissenschaftler dazu befragt, wie sie jeweils von anderen Forschern zitiert worden sind. Wakeling und Kollegen kamen dabei zu dem Ergebnis, dass die ursprünglichen Autoren relativ häufig den Eindruck hatten, dass ihre beabsichtigten Aussagen in den Zitaten nicht richtig wiedergegeben wurden. Dabei betrug der Wert für die „volle Zustimmung“, dass ein Wissenschaftsautor in Publikationen von anderen Wissenschaftlern korrekt zitiert worden ist, je nach Wissenschaftsbereich lediglich 56,3 bis 66,4 Prozent (ebd., Fig. 2). In allen anderen Fällen empfanden sich die befragten Wissenschaftsautoren nicht vollständig korrekt zitiert. Teilweise wurden die Aussagen der Wissenschaftler laut ihrem eigenen Empfinden sogar ins Gegenteil verkehrt (ca. 0,5 bis 3,3 Prozent), waren also im Widerspruch zu dem Sinn ihrer ursprünglichen Aussage. Damit betreffen „Zitierfehler“ im engeren und weiteren Sinne alle Wissenschaftsbereiche in gewissem Umfang.

Die Anfälligkeit für Fehler und Missverständnisse gilt insbesondere in Bereichen, in denen viele unterschiedliche Daten in äußerst komplexen Zusammenhängen gedeutet und in umfassende Modelle und Theorien integriert werden müssen. Und so ist es kein Wunder, dass insbesondere in Ursprungsfragen aufgrund der häufig nur spärlich vorhandenen Daten (z. B. Fossilien) Missverständnisse und Irrtümer vorkommen, die sich anschließend infolge der ständigen Wiederholung in Lehrbüchern, Dokumentationen und Wissenschaftsnachrichten verfestigen.

Von solchen hartnäckigen Missverständnissen über Evolution, denen auch ausgebildete Evolutionsbiologen unterliegen können, handelt unser erster Hauptbeitrag von Benjamin Scholl. Allerdings geht es darin nicht nur um Missverständnisse innerhalb der Evolutionsbiologie, sondern auch um die grundsätzliche bzw. wissenschaftstheoretische Frage, ob man überhaupt Schöpfung von vornherein ausschließen und sich a priori auf rein zufällige und natürlich verlaufende Evolution festlegen sollte.

Im zweiten Hauptbeitrag beschäftigt sich Reinhard Junker mit den großen Mustern bzw. Megatrends in der Fossilienforschung. Obwohl die Fossilüberlieferung in Lehr- und Schulbüchern typischerweise als wesentlicher Beleg oder gar als „Beweis“ für eine allgemeine Evolution der Lebewesen angesehen wird, offenbaren sich zunehmend systematische Muster, die evolutionären Erwartungen diametral entgegenlaufen. Ähnlich herausfordernd für evolutionäre Vorstellungen sind auch unerwartet alte fossile RNA-Funde von Mammuts, da diese im Rahmen langer Zeiträume unerwartet sind, wie Boris Schmidtgall in einem Kurzbeitrag aufzeigt.

Nicht nur in der Biologie, sondern auch in anderen Wissenschaftsdisziplinen wie in der Geologie, der Astronomie und der Archäologie stößt man laufend auf Befunde, die den bisher allgemein akzeptierten Konsens in der Wissenschaft auf den Prüfstand stellen. So berichtet Rafael Schäffer in mehreren Beiträgen von Entdeckungen, die die in der Geologie lange Zeit vorherrschende Leitvorstellung von langsamen, gradualistischen Vorgängen in Frage stellen. Er zeigt dies anhand von Befunden zu einer gigantischen Flut im Mittelmeer (s. Coverbild) sowie in Bezug auf in kürzester Zeit gebildetes „Plastikgestein“. Albrecht Ehrmann stellt wiederum einen unerwarteten Heliumplaneten vor, dessen Eigenschaften im Rahmen der bisherigen Entstehungsmodelle unverständlich sind. Und Benjamin Kilchör führt aus, dass die Ähnlichkeit von biblischer Urgeschichte und keilschriftlichen Überlieferungen für einen sehr frühen Ursprung der Genesis spricht – statt für einen späten, wie häufig behauptet wird.

Zahlreiche weitere Beiträge enthalten viele unerwartete Erkenntnisse aus verschiedenen Wissenschaftsbereichen. Außerdem zeigt unser abschließendes „Corrigendum“, dass uns selbst auch ein Fehler im letzten Studium Integrale Journal unterlaufen ist, den wir hiermit richtigstellen wollen. Denn gerade das ist eines der Kennzeichen von Wissenschaft, dass man sich korrigieren lässt und weiterforscht, um der Wahrheit Stück für Stück näher zu kommen. So wollen auch die Autoren unserer Zeitschrift im Bewusstsein ihrer eigenen Grenzen und Fehlerhaftigkeit forschen und denken.

Mit diesen Gedanken wünschen wir Ihnen eine spannende Lektüre,

Ihre Redaktion STUDIUM INTEGRALE JOURNAL



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